Preßpilze

Keine Sorge, das ist kein Ventil für angestauten Frust. Pilze kann man tatsächlich ganz genau so herbarisieren wie solide Pflanzen, nur völlig anders. Die Ergänzung durch ein Exsikkat ist allerdings vonnöten. Eigentlich ist es eher Spaß und Freude an der Optik. Um in den Genuß dessen zu kommen, beginnt man mit akribischer Vorbereitung. Auf der folgenden Pirsch wähle man weise aus. Es hat wenig Sinn, zur Hochsaisen ausgerechnet sich dem Feld-Schwindling zu widmen. Pro Art wird eine gewisse Menge Material benötigt, denn Verluste sind nicht selten. Außerdem, so geht die Saga, kann man einige Pilze auch essen. Diverse Species treten einer Präparation erfolgreich entgegen, zum Beispiel trichterige Trichterlinge, viele Tintlinge und die meisten Täublinge.
Die Größe ist nicht so entscheidend. Ein Herbarbogen voller Halsband-Schwindlinge sieht toll aus. Die Beschreibung orientiert sich an einem Mittelklasse-Pilz mit Hut und Stiel.
Einfach so zwischen Papier legen und pressen kann man Pilze natürlich nicht, es sei denn, man hat Spaß daran. Auch der Rat "halbieren, aushöhlen und die Hälften pressen", hat seine Tücken. Man muß ein wenig kreativer sein.
Zunächst führt man den ersten Schnitt feierlich mittschiffs durch den Fruchtkörper. Von beiden Hälften lassen sich 2-4 Längsschnitte gewinnen, wobei sich deren Dicke um die 3mm bewegen sollte. Die Schnitte legt man zunächst auf einen Bogen Zeitungspapier ab. Anschließend trennt man kurzentschlossen von den Hälften Hut und Stiel und höhlt beides separat aus, um es anschließend auf die Zeitung zu bringen, wo die Längsschnitte schon warten. Bedeckt wird mit einem weiteren Bogen Papier. Zettel mit Funddaten beifügen und mitwandern lassen. Nun folgt ein Bogen Haushalt-Alufolie (mehrfach verwendbar). Das ist wichtig! Manche Pilze lassen es nämlich nicht dabei bewenden, selber zu verderben, sondern reißen gleich die ganze Nachbarschaft in den Abgrund.
Und jetzt wiederholen Sie bitte den ganzen Vorgang zwecks Übung. Wenn fertig, wird der Stapel zunächst gelinde, später derber belastet. Hier eignen sich vorzüglich Telefonbücher; die sind schmiegsam.
Nun kommt der lästige Teil: Die Zeitungsbögen müssen täglich mindestens einmal gewechselt werden. Hierbei Schimmelbefall (nicht mikroskopieren, sondern bekämpfen) und Madenentwicklung (nicht dulden) beachten. Klebrige Hüte sind eine Sache für sich. Statt mit Zeitungspapier bedecke ich solche Gesellen mit Klarsichtfolie (nicht Alu, die kriegt Falten und sieht dann aus wie ich). Dort pappen die Hüte zwar auch, aber mit Vorsicht lassen sie sich abziehen.
Anzumerken ist, daß solch ein Stapel seinen eigenen Charme in Sachen Duft hat, also nicht unbedingt für den Nachtschrank geeignet ist.
Irgendwann sind nacheinander aller Pilze trocken. Nun setzt man möglichst naturgetreu Hut und Stiel zusammen. Mit Holzleim auf Karton geklebt, beschriftet und gemeinsam mit einem Mottenstreifchen in einer Hülle fühlt sich jeder Pilz wohl. Viele Arten lassen sich so einigermaßen augenfreundlich konservieren, auch wenn Verfärbungen manchmal unvermeidlich sind. Hier bin ich übrigens für jeden Tip aufgeschlossen.
Fazit: Jetzt kann man was vorzeigen. Die Schrumpelexsikkate hüten wir als unser privates Geheimnis. Sonst wird man für völlig bekloppt gehalten.





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